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Der Junghund

Sein Erwachsen werden

Ihr Hund, dem Welpenalter entwachsen, darf sich nun ganz offiziell Junghund nennen. Wie Sie schon auf der Seite über Welpenerziehung lesen konnten, kann man den Übergang nicht genau am Alter festlegen. Als groben Anhaltspunkt darf man annehmen dass das so um den siebten Monat geschehen wird. Bei kleinen Hunden geschieht das etwas früher und bei großen eben etwas später. Der natürliche Folgetrieb des Welpen wird nun vom Hunger auf die große Welt abgelöst. Wenn Sie Kinder haben wissen Sie was jetzt auf Sie zukommt. Die Pubertät. Ja…… auch unsere Hunde machen diese Phase durch. Alles was bis jetzt gelernt wurde wird auf einmal in Frage gestellt, sehr unwillig oder gar nicht mehr gezeigt. Wir sind ja schon groß, halbstark und frech. Festplatte resetet, das meiste komplett gelöscht. Zeig mir wo meine Grenzen sind und ich werde versuchen Sie zu überschreiten. In dieser Phase werden immer wieder wichtige angeborene Verhaltensmuster gezeigt. Er braucht jetzt einen erfahrenen, psychisch überlegenen Rudelführer der weniger durch Gewalt als durch Selbstsicherheit glänzt.

Seine Verknüpfungen

Glauben Sie mir, die machen das keinesfalls in der Absicht Ihnen zu zeigen wer der Chef im Hause ist. Im Hundehirn wird zur Zeit die elektrische Schaltzentrale neu installiert. Es werden unnütze Verbindungen entfernt und neue kommen hinzu. Da kann es schon mal vorkommen dass man die ein oder andere Nervenzelle nicht so schnell findet und dabei das eine oder das andere Gelernte einfach vergessen hat.  Nur ein Genie beherrscht das Chaos. Nein so schlimm wird es nicht. Was ein Junghund tatsächlich braucht ist Verständnis, Geduld, Konsequenz und das Wissen wie diese Schnösel unbeschadet durch die Trotzphase kommen.

Seine Metamorphose

Ihr Hund wird Ihnen jetzt beim täglichen Umgang sowohl im Innen- als auch im Außenverhältnis das zeigen was seinem Wesen entspricht. Ich will damit sagen, dass sich der Welpe den Sie bis jetzt zu kennen meinten, zu dem entwickeln wird was seinem ursprünglichem Beruf entspricht. Spätestens jetzt werden Sie merken dass Sie einen Dackel oder einen Bergamasker-Hirtenhund besitzen. Da wird aus dem einen ein selbstbewusster Jagdhund und aus dem anderen ein eigenwilliger fast 40 kg schwerer Sturkopf.

Sein Wesen

Als Wesen wird die allgemein bleibende Bestimmtheit eines Individuums bezeichnet. Ich habe ja auf meiner Eingangsseite schon beschrieben dass sich dieses aus zwei Komponenten zusammensetzt. Zum einen wird es durch die ererbten arttypischen und rassetypischen Anlagen und zum anderen durch äußere Einflüsse bestimmt. Die beiden ersteren haben Sie quasi mit eingekauft und lassen sich grob damit beschreiben, dass ein Jaghund jagen, ein Hütehund hüten und ein Schutzhund schützen will. Die Bestimmungen der äußeren Einflüsse kann man in insgesamt vier Faktoren unterteilen. Der erste Einfluss findet schon im Mutterleib statt. Hier bestimmt die Lage des Ungeborenen im Uterus , ein Mädchen liegt zwischen zwei Jungs oder ein Junge zwischen zwei Mädchen, schon das spätere Verhalten mit. Der zweite wird über das Verhalten der Mutter bestimmt weil dieses nachgeahmt wird. Ist sie ein Beller, wird der Welpe viel bellen. Ist Sie aggressiv wird das der Welpe genauso nachahmen. Ebenso wird auch Ängstlichkeit, Vorsicht und Meideverhalten gegenüber anderen Individuen generalisiert. Der dritte Einfluss erfolgt über die Haltungsbedingungen die er beim Züchter kennengelernt hat. Hier hat er schon die ersten sozialen Erfahrungen gesammelt und sollte an den Umgang mit Mensch und Tier gewöhnt worden sein. Sie sehen, unser Welpe ist also mit Eintritt durch unsere Haustüre kein unbeschriebenes Blatt mehr und bringt schon tiefgreifende Grundeinstellungen für sein Leben mit. Ob diese von negativer oder positiver Natur sind werden Sie letztendlich selber merken. Für den vierten und letzten Einfluss auf sein Wesen sind nun ganz alleine Sie verantwortlich.

Von Ihnen sollte er alles lernen was für den Rest seines Lebens benötigt. Ich möchte es auf den Punkt bringen. Das Lernen ist für unseren Hund eine reine Kosten-Nutzung-Rechnung. Nicht mehr und nicht weniger. Und dieses sollten Sie auf keinen Fall dem Zufall und schon gar nicht Ihrem Hund überlassen.

Sein Lernen……..unser müssen

Wollen wir unserem Junghund etwas beibringen, müssen wir uns vorher mit dessen Lernverhalten beschäftigen. Will heißen, wir müssen lernen wie er lernt und wir müssen lernen wie er zu denken. Wir müssen lernen sein Ausdrucksverhalten  zu verstehen und wir müssen es zu deuten lernen. Wir müssen in der Lage sein ihm unter Berücksichtigung seines Wesens bestimmte Verhaltensregeln im Umgang mit uns und unserer Umwelt angedeihen zu lassen damit er nicht als wesenloser und reflexgesteuerter Befehlsempfänger neben uns her vegetiert. Wenn Sie bereit sind Lernen zu lernen werden Sie und Ihr Hund in Zukunft garantiert ein tolles Gespann abgeben.

Die Lernfalle

Erfolgt das Lernen ausschließlich innerhalb eines begrenzten nicht variablen Raumes, kann das Lernen auf relativ wenige Verhaltensweisen begrenzt und dort mit hoher Wahrscheinlichkeit auch sicher abgerufen werden. Auf bekannte Reize wird somit bedingt durch die Habituation keine Reaktionen mehr erfolgen. Der Hund hat sich daran gewöhnt und verhält sich entsprechend. Ich will Ihnen das in einem kleinen Beispiel erklären. Sind dem Hund beim Lernen gewisse Umweltreize vertraut geworden, wird er die dort gelernten „Kommandos“ wie z.B. Sitz, Platz etc. sofort und ohne nachzufragen ausführen. Warum? Weil ihr euch auf einem sicheren und bekannten Umfeld befindet. Ihr habt euch beide daran gewöhnt. Wenn Sie dies von Ihrem Hund außerhalb des ihm bekannten Umfelds einfordern, kann es passieren dass keinerlei erkennbare Reaktion erfolgt, weil der ihm bekannte sichere Umweltreiz fehlt und dafür vielleicht ein neuer unsicherer hinzu gekommen ist. Wird er dafür dann auch noch gemaßregelt, wird er gelernt haben die neuen Reize als unangenehm oder gar bedrohlich einzustufen und seine darauf folgende Reaktion als die momentan sicherste anzusehen. Man sieht dann leider oft, dass auf eine Einforderung des Befehls mangels Durchsetzungskraft verzichtet wird weil beide der unangenehmen Situation schnell und problemlos entfliehen wollen. Ihr Hund hat dabei gelernt dass ein Nichtbeachten der Aufforderung eher positive als negative Begleiterscheinungen mit sich bringen. Geschieht das öfters wird er sich daran gewöhnen und das Gelernte auch innerhalb der ihm bekannten Umgebung nicht mehr zeigen. Es ist ein klassisches Beispiel dafür, dass ein immer gleiches Lernumfeld eher einen negavtiven Einfluss am Lernerfolg hat.