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Kein Problem „Der Problemhund“

Was genau macht eigentlich einen Hund zu einem Problemhund?

Ich kann es Ihnen sagen „Die Umwelt“. Und zwar eine Umwelt in die unser Hund ungefragt hineingekauft wird und die sich ihm in der Regel alles andere als hundegerecht präsentiert. Kommt dazu noch eine nicht erfüllte Erwartung des Halters an den Anspruch seines Hundes hinzu, ergibt sich ganz automatisch ein Problem. Oft genug wird dann die Ursache des Problems einfach nur den Hund impliziert.

Ich möchte Ihnen dazu an einem kleinen Beispiel zeigen wie aus einem lieben und unauffälligem Hund ein Problemhund werden kann.

Nehmen wir einfach mal Hasso. Hasso lebt in einem kleinen Dorf , sein Zuhause ist ein Bauernhof. Kein Mensch hat ihm je irgendeine Erziehung angedeihen lassen. Zweimal am Tag schaut er pünktlich nach seinem Fressen das ja meist sowieso immer irgendwo herumsteht. Ab und zu  besucht er seine Kühe, seine Schweine oder scheucht die nervenden Hühner weg die ihn beim Mittagsschlaf stören. Sein schönstes Vergnügen ist, wenn er beim täglichen Dorfrundgang seine hündischen Dorfschönheiten besuchen kann und nebenbei noch dem einzig ortsansässigen Konkurrenten seine Meinung bellen darf. Den Weg kennt er auswendig, geht vorbeituckernden Treckern  immer aus dem Weg und vermeidet tunlichst den Kontakt mit den Kindern die jeden Mittag lautstark  aus dem Schulbus purzeln. Hasso ist also ein höchst zufriedenes und soziales Mitglied der Dorfgemeinschaft. Man kennt sich gegenseitig und man respektiert sich. 

Wenn Sie jetzt wissen wollen wie aus diesem bis jetzt sozial unauffälligem Hund ein Problemhund wird, müssen Sie ihn nur in eine neue Umwelt hineinstellen die mit seiner, ihm vertrauten nicht im entferntesten zu vergleichen ist.

Die Vermutung läge jetzt nahe dass es keine Problemhunde gibt, sondern nur eine Umwelt die ein Problem mit Hunden hat.

So einfach lässt sich dieses Thema aber nicht abhandeln und auch nicht immer nur auf ein falsches Haindling des Besitzers reduzieren.  Es ist immer leicht zu behaupten dass das eigentliche Problem immer am hinteren Ende der Leine liegt. Gehen Sie einfach davon aus, dass Ihr Hund felsenfest davon überzeugt ist richtig zu handeln und glaubt die jeweils entsprechende Situation mit seinem Vorgehen regeln zu können. Dieses Handlungsmotiv unterliegt einer Emotion  die einer sozialen Prägung unterliegt und immer mit entsprechend charakteristischen Handlungen einhergeht.

Also müssen wir lernen unseren Hund dahingehend zu erziehen, dass er sich in unserer Umwelt im Großen und Ganzen unbeschadet zurechtfindet. Sein bis dato gezeigtes Verhalten wird er zwar nie vergessen, aber er wird lernen dass er es in seiner neuen Welt nicht mehr benötigt und es immer öfter in den Hintergrund drängen. Auf keinen Fall sollte man dabei aber versuchen eine ererbte Veranlagung zu unterdrücken. Man kann, sofern man diese Anlagen nicht fördern möchte versuchen den Arbeitseifer zu einem gewissen Maße in Grenzen zu halten.  Aus einem agilen intelligenten Rattenfänger wird aber trotzdem nie und nimmer ein Handtaschenhund werden. Also Augen auf beim Hundekauf. Das erspart manchen Ärger.

Gehören Sie zu der Kategorie von Hundebesitzern die Ihren Hund aus zweiter oder dritter Hand, aus dem Tierschutz oder aus dem Ausland adoptiert haben? Dann wissen Sie meistens absolut nichts oder nur wenig aus seinem Vorleben. Sie erinnern sich doch noch an den Dorfhund Hasso?. Gut. Weil Ihr neuer Partner nämlich auch eine Vergangenheit mit Geschichte hat in der er auf eine Umwelt geprägt wurde die Sie sich vermutlich im Traum nicht vorstellen können. Eine Welt mit Ordnungen in der das Lernen von Strategien überlebenswichtig war. Erwarten Sie bitte nicht dass er seinem neuen Besitzer zuliebe die ihm Vorteile im Überlebenskampf sichernde Strategie ablegt nur weil man ihm ein neues Zuhause zur Verfügung stellt. Er wird sehr schnell lernen Sie und andere in seine Welt einzubinden, ausnutzen was vorteilhaft erscheint und für ihn Nachteiliges konsequent ablehnen.

Dadurch entstehen gemeinschaftsschädigende Handlungen die wir im allgemeinen als asoziales Verhalten beschreiben würden. Und diese sind, wie man vermuten könnte, beileibe nicht immer von aggressiver Natur. Ein nicht sozial kooperierender Hund hat tausend Gesichter. Man könnte es als Dr. Jekyll und Mr. Hyde Syndrom bezeichnen weil Handlungsmotiv und Reaktion meistens unerwartet erscheinen.

Ich hoffe das damit die Eingangsfrage „Was genau macht eigentlich einen Hund zu einem Problemhund?“ von mir einigermaßen verständlich beantwortet worden ist.