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Über Lernen und über nicht lernen

Menschen denken. Hunde auch, nur eben anders

Über Lernstrukturen und Lernerfolge

Warum zum Teufel eigentlich glauben viele Hundemenschen immer noch, dass Lernen etwas vorgegebenes sein muss und versuchen sich und ihren Hund zwanghaft in ein vorgegebenes Korsett zu pressen indem sie dogmatischen Lehrvorstellungen unreflektiert nacheifern.
 Lernen darf sich keinesfalls an einem statischen Konzept orientieren. Es muss dem Lernenden, also dem Schüler und dessen Grundwissen sowie seinem momentanen emotionalen Entwicklungsstand angepasst werden. Tust du das nicht, wird ein Lernerfolg aufgrund schneller Überforderung ausbleiben. Unter Lernen versteht man weitgehendst den Erwerb neuen Wissens, neuen Fähigkeiten oder neuer Fertigkeiten. Dabei spielt es überhaupt keine Rolle ob dieser Erwerb absichtlich oder  unabsichtlich herbeigeführt wird. Lernen sollte primär dem Zweck von Wissenszuwachs dienen um sich den Gegebenheiten der  Umwelt anpassen zu können.
Die Wortherkunft „Lernen“ stammt ursprünglich aus dem indogermanischen Sprachgebrauch und bedeutete im weitesten Sinne, passend zu unserem Thema, „einer Spur nachgehen“ oder auch für „schnüffeln“. Indogermanen lebten ungefähr 700 v. Chr. in der pontokaspischen Steppe, dem heutigen Kaukasus.
So, und nach diesem Wissenszuwachs möchte  ich wieder auf euch beide und euer Verhältnis zueinander, auf euer miteinander und auch auf euer untereinander zurückkommen. Also auf das ganz spezielle zwischen Dir und deinem Hund. Jeder sagt Dir, du sollst deinem Hund etwas lernen. Prinzipiell wäre dagegen ja nichts einzuwenden, wenn Du dabei immer berücksichtigst, dass Du dabei nicht nur einfach der Lehrer mit erhobenem Zeigefinger bist, sondern gleichzeitig auch Lernender, also auch Schüler bist. Das Ganze lebt von einem Wechselspiel bei dem auch dein Hund öfters den Posten als Lehrer übernehmen wird.
Du musst erst lernen deinen Hund zu verstehen bevor du mit ihm arbeiten kannst. Auf deutsch gesagt, du musst Dir erst Wissen aneignen um Wissen zu vermitteln. Du hast einen Scheiß Job übernommen, in dem Lehrer und Lernender zu einer Person verschmelzen. Ich meine, natürlich kann muß das jeder mit sich selber ausmachen was er tun bzw. nicht tun möchte. Natürlich kann man nicht negieren, dass sich auch zwei Dumme etwas beibringen können. Die Frage ist nur ob sie dabei auch wissen was sie tun und ob es für jeden zielführend ist. Analphabeten können sich halt gegenseitig weder Rechnen noch Schreiben beibringen. Schlaue Menschen erkennt man unter anderem daran, dass sie Erlebtes richtig einordnen und daraus ihre weiteren Handlungen entspringen.
Jetzt kannst d es dir einfach machen und einmal in der Woche in eine Hundeschule gehen und mit anderen Mensch-Hundeteams  im Kreis herum laufen, formale Übungen durchexerzieren und nach einer Stunde wieder nach Hause gehen. Ob das jetzt unbedingt etwas mit Wissenszuwachs bei euch beiden zu tun hat bleibt selbstverständlich deiner Vorstellung von Lernen überlassen. Interessant zu erfahren wäre letztendlich bloß, was Du in den übrig gebliebenen 167 Reststunden der angebrochenen Woche tun sollst?
Du kannst es Dir aber auch richtig schwer machen und versuchen deinen Hund erst richtig kennen zu lernen bevor Du dir Gedanken über eine für euch beide sinnvolle und nachhaltige Weiterbildung machst.
Es gibt viele verschiedene Lernmethoden für unsere Hunde von denen leider viele früher oder später in einer Lernsackgasse enden.  Ich möchte Dir  einige im Hundewesen übliche vorstellen.
Das formale Lernen (Passives Lernen)
Darunter versteht man eine zielgerichtete Ausbildung welche auf einen Abschluss oder auf die Ausstellung eines Zertifikates hin ausgerichtet ist. Üblicherweise seid Jahrzehnten Usus auf vielen Hundeplätzen deren Methoden von den Kunden selten bis nie  hinterfragt werden. Hier bist Du nur der Schüler deines Ausbilders und nicht der Lehrer deines Hundes.
Auswendig lernen (Passives Lernen)
Verzichtet völlig auf das Verstehen des eigentlichen Lerninhaltes und auf  entsprechende Schlussfolgerungen. Der Fokus ist nur auf die fehlerfreie Wiedergabe der Lerninhalte gerichtet. Das Problem dabei ist, dass es oft keinen emotionalen und verständlichen Bezug zum eigentlichen Lerninhalt gibt. Dieses Wissen ist nicht so einfach auf andere Gebiete oder Situationen in denen es gebraucht würde anzuwenden. Ein großer Nachteil dabei ist, dass es ständig geübt werden muss um es nicht zu vergessen weil sich Erinnern immer an einer Bedeutung oder einen Bezug festmacht.
Spielen (Aktives Lernen)
Spielen ist die ursprünglichste Form des Lernens welches dein Hund schon während seiner postnatalen Zeit mit seinen Wurfgeschwistern erleben durfte. Es sieht zwar nicht immer zweckorientiert aus, bereitet ihn aber auf das Erwachsen werden vor, ist kreativ und  unverzichtbar weil es der Fortentwicklung sowie der Ausbildung kognitiver Fähigkeiten dient. Viele Tiere, auch Hunde, Affen und Menschen spielen bis ins hohe Alter. Kinder und Hunde entdecken die Welt beim Spielen.
Informelles Lernen (Aktives Lernen)
Learning by doing erfolgt außerhalb jeglicher Hundeplätze oder sonstigen Bildungseinrichtungen, weil das Lernen, wie der Name schon sagt, ohne jegliche Formalitäten erfolgt. Gerade soziale und positive persönlichkeitsbildende Lernprozesse sind für Hunde von enormer Wichtigkeit damit sie sich unserer modernen Umwelt problemlos anpassen können. Für mich ist diese  Art des Lernens das große wichtige Feld des sozialen Lernens und somit den anderen immer zu bevorzugen.
Soziales oder kooperatives Lernen: (Aktives Lernen)
Ihr beide seid aktiv am Lerngeschehen und gleichzeitig auch am Lernergebnis beteiligt. Durch die Interaktion innerhalb der Gruppe entsteht bei der sich daran beteiligt eine hohe Sozialkompetenz. Die Gruppenmitglieder bewerten sich untereinander und lernen, dass die großen Erfolge nur miteinander möglich sind. Dazu muss man sich gegenseitig um Hilfe bitten und unterstützen. Es entsteht quasi eine gewisse Art von Abhängigkeit der Gruppenmitglieder untereinander.
 Andere bekannte und wenig bekannte Lernmethoden klammere ich mal aus, weil diese sich größtenteils eh als Untergruppen in den einen oder anderen vor beschriebenen wiederfinden. Ich glaube, Du kannst dir selber eine Meinung bilden, ob du und dein Hund passives oder aktives Lernen bevorzugst und welches von beiden Lernformen für euch nachhaltiger ist.
Das Gerüst jeglichen Lernens ist die Motivation etwas erreichen oder etwas schaffen zu wollen. Der Kasus Knacksus dabei, du musst deinem Hund klar machen, dass ihr beide das selbe Ziel verfolgt. Dich und gleichzeitig auch deinen Hund zu motivieren ist nicht immer leicht, nicht immer möglich und auch nicht immer zielführend.
Leicht wird es für dich natürlich, wenn Du nur auf schnelle Erfolge oder  Kickerlebnisse baust. Zeig deinem Hund einen Ball oder ein Leckerlie und du wirst schlagartig einen super motivierten Hund dein Eigen nennen.
Nur, Motivation ist nicht käuflich und permanente Belohnungen lassen das eigentliche Ziel weniger wertvoll erscheinen. Allein schon durch den Gedanken an eine evtl. Belohnung, erfolgt relativ schnell der Effekt der Korrumpierung. Du und dein Leckerlie sind für deinen Hund quasi nur Mittel zum Zweck. Eine Motivation kann durch extrinsische Faktoren zudem nur kurzfristig aufrecht erhalten werden. Sie verblassen zudem sehr schnell und müssen deshalb permanent verstärkt werden.
Lernen sollte ausschließlich durch Eigenmotivation, also intrinsisch, erfolgen. Ausschlaggebend und letztlich entscheidend ist das Gefühl der sozialen Gruppenzugehörigkeit und die darin gelebten Regeln. Auch ist dabei ein sicheres und soziales Umfeld notwendig. Der Hund muss die Botschaft die in deiner Mitteilung steckt auch aufnehmen und verarbeiten können um sie entsprechend richtig auszuführen.
Ist er dir gegenüber nicht konzentriert und abgelenkt, wird die Info wenig Chancen haben in sein Kurzzeitgedächtnis vorzudringen. Nicht mal sprichwörtlich im linken Ohr rein und beim rechten wieder raus, sondern es dringt ert gar nicht bis in sein Gehirn vor.
Ganz wichtig ist, dass du dabei keine Informationsflut auslöst, weil die bei deinem Hund als Informationslast ankommt und ihn dadurch gehörig überlastet worauf er seinerseits mit einer Übersprungshandlung reagieren wird.
 Um Informationen aufnehmen zu können, braucht es also eine aktive Aufmerksamkeit. Diese wiederum lässt sich vor allem bei Welpen und jungen Hunden, oft auch bei Hunden aus dem Tierschutz, nur schwer über einen längeren Zeitraum aufrecht erhalten. Man spricht dabei auch von einem aktiven Denken welches, wie du wahrscheinlich aus eigener Erfahrung weißt, sehr viel Energie verbraucht.
Du musst dir beim Lernen mit deinem Hund selber die Frage stellen, wie lange du bei ihm eine kognitive Leistung aufrecht erhalten oder einfordern kannst. Er stößt da, von dir manchmal vielleicht auch unbemerkt, sehr schnell an die Grenzen seiner Leistungs- und Aufnahmefähigkeit.
Wenn der Grad seiner Aufmerksamkeit sinkt, werden sehr schnell andere Sachen interessanter. Du musst immer im Hinterkopf behalten, dass Aufmerksamkeit zu keiner Zeit einfach ein-und ausschaltbar ist. Auch du wechselst während einer Aufgabe, genau wie dein Hund eben auch, oft unbewusst ständig den Grad der Aufmerksamkeit.