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Silvester ist das ganze Jahr

Silvesterangst bei Hunden

oder das Lebkuchentrauma

So sicher wie Ende September die ersten Lebkuchen in den Regalen von Supermärkten auftauchen, so sicher kannst du davon ausgehen, dass ab diesem Zeitpunkt auch wieder das immerhin neun Monate brach liegende Thema „Hunde mit Silvesterangst“ in den sozialen Medien aufgewärmt wird.

Über 15000 Ergebnisse zeigt dir Google an wenn du das Thema in die Suchmaske eingibst. Es gibt wirklich nichts, was hier nicht angeboten wird. Das reicht von allen möglichen Tabletten und Tropfen, Bachblütentherapien, Pheromongabem, sogenannten Thundershirts bis hin zu Tele Touch und Geräusche CD,s. Alles wird, sofern es richtig angewandt wird, sicherlich bei dem einen oder anderen Hund auch seine Berechtigung haben. Wobei das meiste, was da so angepriesen wird und angeblichen Erfolg verspricht, nur auf diesen schlimmen 31.ten Dezember hin abzielt. Silvester beginnt für Hunde, wie übrigens auch für uns Menschen, welche mit einer Angst vor lauten Geräuschen (Ligyrophobie) gesegnet sind, bereits unter dem Jahr und nicht erst an dessen Ende. Was mich immer wieder erstaunt, da wissen Hundehalter das ganze Jahr über welches Problem ihr Hund hat und versuchen dann am Ultimo ihr Heil, bzw. das ihres Hundes in irgendwelchen „Hilft sofort“ Therapien“. Verstehst du, es wird ja nicht am eigentlichen Problem, sondern ausschließlich am Symptom herumgedoktert. Mein persönliches Highlight dabei ist die Geräusche CD. Sie ist relativ einfach zu besorgen und noch einfacher zu bedienen. Tausendundein Geräusch dröhnen  dir und deinem Hund die Birne weg bis der Arzt kommt. Ganz ehrlich, du kannst deinem Hund nicht stundenlang die Marschmusik eines 100 köpfigen Spielmannzuges auflegen und dann im Glauben an den Erfolg den Trachten- und Schützenzug des Münchner Oktoberfestes besuchen wollen. Den Erfolg zeigt dir dein Hund dann beim ersten Paukenschlag der dicken Basstrommel. Du wirst erfahren müssen, dass sich hier dann Wunsch und Wirklichkeit trennen und oft nur der Wunsch der Vater des Gedankens war. Tatsächlich sind Geräusche ohne irgendeinen dazugehörigen Auslöser bzw. einem Verursacher halt ganz einfach nur Töne ohne jeglichen Bezug. Es läuft halt einfach belang- und vor allem informationslos im Hintergrund als Geräuschkulisse ab. Im schlimmsten Fall, wenn du Schall als Dauerberieselung einsetzt, kann es sogar zu einer massiven Störung des vegetativen Nervensystems kommen. Zu den bekannten sogenannten weißen Foltermethoden zählt unter anderem auch Folter durch Beschallung. Ich bin überzeugt, dass dadurch bei so manchem Welpen, vor allem Hütehunde sind aufgrund einer genetisch sowieso schon vorhandenen Geräuschempfindlichkeit. der Grundstock für eine spätere Hypersensibilität gelegt wird. Auch bei Hunden aus dem Ausland oder aus dem Tierheim würde ich dir eine Dauerbeschallung mit willkürlich ablaufenden Geräuschen keinesfalls  empfehlen. Du kennst selten die wirkliche Geschichte deines Hundes und wirst daher immer gezwungen sein, für sein  gezeigtes Verhalten den dazugehörigen Auslöser bzw. Verursacher zu finden. Und es kann gut und gerne sein, dass dein Hund diesen Auslöser auf der Geräusche CD lange vor dir findet. Iwan Petrowitsch Pawlow und seine Entdeckung der klassischen Konditionierung lassen schön grüßen. Und weil der Herr Pawlow uns das so schön bewiesen hat, weißt du jetzt, dass deinem Hund nur über eine gezielte Gegenkonditionierung geholfen werden kann. Alles andere ist Pillepalle und kann, wenn überhaupt, nur begleitend angewandt werden um eine Verhaltensänderung auf Dauer herbeizuführen. Auch den gelobten Eierlikör trinkst lieber selber und lässt deinem Hund das leere Schnapsglas auslecken.

Und mir kann keiner erzählen, dass sein Hund seine Phobie ausschließlich nur an Silvester auslebt. Es gibt unter den restlichen dreihundertvierundsechzig Tagen bestimmt reichliche Baustellen an denen du mit deinem Hund arbeiten müsstest. Angst ist ja nicht etwas was über Nacht einfach vor eurer Haustüre steht und um Einlass bittet wie Gevatter Tod bei Herrn Jedermann. Angst entsteht also nicht einfach nur irgendwie, hat immer eine Ursache und setzt immer ein Lernen voraus. Dieses Lernen geschieht zu allem Unglück leider auch noch ganz ungewollt und setzt sich ein Leben lang im empirischen Gedächtnis, auch autobiographisches Gedächtnis genannt, ab. Es sorgt dafür, dass sich sowohl du als auch dein Hund nur aufgrund eines kleinen Auslösers an Dinge erinnerst, die Jahre zurück liegen und euch zu entsprechende Handlungen veranlassen ohne dass ihr darüber nachdenken müsst. Es ist ein Wissen, welches über Erfahrung gemacht und abgespeichert wird ob iht woll oder nicht. Es ist quasi ein Wissen, von dem wir nichts wissen, weil es eben ohne unser Zutun und unbeabsichtigt gespeichert wird. Vielleicht kennst du es ja auch unter dem Synonym des Bauchgefühls welches uns sehr oft entsprechend richtig handeln lässt. Und genau dieses „versunkene“ Wissen ist es, welches dir bei einer beabsichtigten Gegenkonditionierung im Wege steht und du dich daher oft auf eine langen Weg voller Rückschläge und Enttäuschungen gefasst machen müsst.

Pipapo und Wischiwaschi

Jetzt habe ich ja vorher mal bemerkt, dass Angst immer gelernt ist und aus irgendeiner Erfahrung heraus entsteht. Bla bla bla, Pipapo, Wischiwaschi. Angst kann man nicht lernen. Jedenfalls nicht aktiv. Du kannst jetzt nicht einfach hergehen und sagen, “ Ich lerne jetzt die Angst“. Das geht natürlich nicht. Angst ist immer die Antwort auf eine erlebte Furcht(z.B eben ein Knall) oder einer Bedrohung heraus welche immer unvermittelt auftritt. Es folgt ein Aktivierungsmuster welches mit Unsicherheit, mit Meideverhalten, Flucht, Lähmung, oder aber, was auch nicht selten ist, in einer sofortigen Abwehr oder gar in einer Kampfhandlung mündet. Angst ist also immer etwas diffuses und Furcht dagegen immer etwas konkretes. Hunde können ihre Angst aber auch passiv über unsicheres Auftreten ihres Besitzers lernen wenn dieser sich nicht in der Lage sieht ihnen den erforderlichen Rückhalt der Familie zu sichern. Unsichere und ängstliche Hundehalter haben auch immer unsichere und ängstliche Hunde. Angst hat viele Väter und ist zu komplex um sie langfristig mit Mitteln des Versandhandels in den Griff zu bekommen. Auch Alkohol löst ja wie wir wahrscheinlich alle selber wissen, Probleme nur kurzfristig. Dein Hund sollte es dir Wert sein, mit ihm über das Jahr hinweg an seinen, eigentlich an eur beiden, Problemen zu arbeiten. Auch wenn ich Gefahr laufe mich zu wiederholen.

Bekämpfe nicht das Symptom, bekämpfe die Ursache und reflektiere dein eigenes Verhalten.

Dann kannst du auch gerne ab Oktober die ersten Lebkuchen mit Genuss essen.