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Warum wir beim lernen Bedürfnisse erfüllen müssen

Lernen müssen oder Lernen lassen

Im Laufe der Evolution hat wohl jedes Lebewesen seine eigene Überlebensstrategie entwickelt, immer wieder neu auf den Prüfstand gestellt,  entsprechend geändert und dem aktuellen Bedarf angepasst. So hat auch irgendwann der eine oder andere Wolf gelernt, dass es sich in der Nähe von Menschen bequem und sicher leben lässt. So dürften sich  im Verlauf dieser Beziehungen durch Selektion auch die ersten unterschiedlichen Rassen entwickelt und bis in die frühere Geschichte als reine Gebrauchs- oder Arbeitshunde Verwendung gefunden haben. Heute dienen sie jedoch bis auf wenige Ausnahmen nur noch unserer Freizeitgestaltung. Das Erlernen eines Berufes, also ein in die Lehre gehen, erscheint uns nicht mehr notwendig . Das Züchten und Abrichten auf eine für uns Menschen notwendige Funktion hat dadurch an Bedeutung verloren und beschränkt sich größtenteils nur noch auf das herausarbeiten äußerlicher Erscheinungsmerkmale diverser Züchtungen.

Auch wenn dem geneigten Leser der Rückblick auf die Evolution jetzt im Bezug auf das Lernen momentan weit ausgeholt erscheinen mag, möchte ich Ihnen damit nur vor Augen führen dass sich die Lernstrategie denen unsere Hunde folgen sich bis zum heutigen Tag nicht geändert hat.

Er lernt um Bedürfnisse zu erfüllen die sein (Über)Leben sichern.

Die meisten Aktivitäten unseres Hundes werden von Bedürfnissen gesteuert und ohne äußeren Anlass ausgelöst. Wenn diese befriedigt werden entstehen positive Gefühle die bewertend und höchst belohnend wirken. Er wird dadurch schnell herausfinden in welcher Weise er sein Tun einsetzen muss um an die Erfüllung dieser Bedürfnisse zu gelangen. Die Ausführungen werden dabei verfeinert und treffsicher eingesetzt. Es führt dazu, dass er immer mehr lernen will und dabei in seinen Folgehandlungen immer sicherer wird. Dieser Erfolg wird in antreiben Neues zu erkunden und auszuprobieren. Vergleicht man es mit Spielern, werden Gewinner immer öfter spielen und Verlierer meist resigniert aus dem Spiel aussteigen wollen.

Wenn wir bestimmen was unser Hund lernen soll, müssen wir uns auch die Frage stellen ob alles richtig ist was wir dabei für ihn als sinnvoll erachten. Das Lehren und Lernen läuft in den meisten Fällen leider nur auf eine durch Konditionierung herbeigeführte gewünschte Ausführung die ausschließlich passiv und im Reflex erfolgt hinaus. Als Reflexomat braucht er sich nicht einmal mehr über den Sinn seiner gezeigten Tätigkeit Gedanken machen. Weil er dafür dann meistens auch noch belohnt wird, kann beim besten Willen keine eigene Entfaltung seines Geistes erfolgen.

Deshalb ist es ganz wichtig dass wir mit unseren Hunden so umgehen, wie es ihre Art als hochsoziale Lebewesen fordert. Wir sollten uns von diesem Kadavergehorsam verabschieden, damit unser Hund eigendynamisch austesten, probieren und letztendlich aus dieser Erfahrung lernen kann.

Er soll beim Lernen, unterstützt durch seinen Menschen, in einzelnen Schritten mit positiven Erfahrungen zum Ziel gelangen. Lernen ohne Fehler. Nur so wird er immer wieder Erfahrungen aus eigenem Antrieb heraus suchen weil er diese letztendlich als Belohnung für sein Verhalten sieht.

Durch diese Art des Lernens wird unser Hund in der täglichen Praxis zwischen Nützlichem und Unnützlichem oder Interessantem und Uninteressantem unterscheiden können. Verweigern wir ihm gewisse Lernerfahrungen, etwa durch eine Überbehütung, wird aus ihm nie und nimmer ein selbstsicherer Hund und viel Erlebtes als negativ einstufen und sich entsprechend verhalten.

Ganz wichtig für eine gute Verhaltensentwicklung ist natürlich auch das Kennenlernen von negativen Erfahrungen. Bei Vorenthaltung solcher Erfahrungen, unterstützt durch eine evtl. Überhütung, wird er damit schlecht umzugehen können und auf alle möglichen Reize mit einer Aversion reagieren. Er muss durch uns lernen  sein Verhalten der jeweiligen Situation selbstbewusst anzupassen. Wobei er dabei aber nicht in die Verlegenheit kommen sollte die eigene Handlung anzuzweifeln um dann letztendlich gar nicht mehr zu reagieren.

Jetzt ist es ja nicht nur so dass unangenehme Reize immer von außen sondern auch von innen kommen können. Ich will damit sagen, dass auch wir auf unseren Hund manchmal in einer für ihn unangenehmer Weise einwirken müssen wenn sein Verhalten dies erfordert. Dadurch werden wir erreichen dass unerwünschtes Verhalten gehemmt und auf Dauer nicht mehr gezeigt wird.