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Welpenspielstunde

Warum ich keine Welpenspielstunden durchführe

In vielen örtlichen Hundeschulen werden sogenannte Welpenspiel- oder Welpenprägegruppen angeboten. Hier dürfen dann Welpen zwischen 9-10 Wochen und 6 Monaten mit ihren Menschen für ein späteres Zusammenleben üben.

Die Prägephase eines Welpen ist zu diesem Zeitpunkt bereits abgeschlossen. Der neue Besitzer hat darauf keinen Einfluss mehr. So kommt also der Welpe gerade zu Beginn seiner  Sozialisierungsphase in ein ihm nicht bekanntes Umfeld das sich für ihn in erster Linie erst einmal alles andere als Sozial darstellt.

Ich möchte nicht falsch verstanden werden. Mit der Förderung sozialen Verhaltens kann nicht früh genug begonnen werden. Dazu gehören auch Hundebegegnungen. Dass diese Förderung aber in einer Welpenspielgruppe erfolgen kann darf bezweifelt werden. Wenn ich heute mit Besitzern von Welpen spreche höre ich immer wieder dass ihr Fido doch etwas lernen muss und sie deshalb eine Welpenschule besuchen. Rechnen wir mal nach. Wenn ein Welpe ca. zwei Drittel des Tages verschläft ist er ca. 8 Stunden am Tag mehr oder weniger aktiv. Das wären dann also in der Woche ganze 56 Stunden von denen wenn es hoch kommt eine ganze Stunde im Welpenkurs zum Lernen für das Leben reichen soll. Na ja, dann viel Erfolg.

Eine gut geführte Welpengruppe muss die verschiedenen Lebensphasen (Sozialisierungs-, Rang- und Rudelordnungsphase) eines Hundes bis zum sechsten Monat berücksichtigen können. Das heißt im Klartext: Maximal 5 Welpen, wenn möglich gleicher Wesensarten und gleicher Rasse und ein erfahrener souveräner Gruppenleiter der den Hundehaltern viel vom Hund und seinem Wesen vermittelt. Sicherlich von Vorteil wären auch ältere wesensfeste Hunde die den Kurs temporär begleiten.

„Es kommt bei Hundebegegnungen auf die Qualität an und nicht auf die Quantität

 

Sehen wir uns doch mal die Versprechen an mit denen sowohl Vereine als auch privat geführte Hundeschulen für ihre Welpengruppe werben.

Was für eine Umwelt?

Welpengruppen finden immer in einem isolierten und überschaubaren Bereich statt. Er wird lernen sich in diesem Umfeld sicher bewegen zu können. Wie es zu Hause oder vor dem Hundeplatz aussieht interessiert hier meistens nicht. Hier hilft auch eine mit bunten Bällen vollgefüllte Bademuschel nicht wirklich weiter.

Das Hundespiel dient dem Welpen dazu, notwendige Handlungen und Fertigkeiten für das spätere (Über)Leben zu üben. Es zeichnet sich vor allem dadurch aus, dass Verhaltensweisen ohne Ernstbezug, auch mit dem Tausch von Rollen, geübt werden.

Tatsächlich aber hat man oft den Eindruck einer Partymeile in der gejagt, gemobbt, gedrängelt, gehetzt, gebissen und gebellt wird. Hier lernt der eine wie man durch bedrohen einschüchtern kann und der andere wird nie mehr vergessen dass andere Hunde potentielle Gefahren darstellen. Beide werden ihr Wissen auf jeden Fall mit nach draußen nehmen und sich dort entsprechend verhalten. Negative Erfahrungen bleiben unauslöschlich im Gedächtnis haften.

In wie weit kann ein Welpe das richtige oder falsche Verhalten gegenüber einem anderen Welpen einschätzen und daraus lernen? Können sich Kindergartenkinder gegenseitig Rechnen und Lesen beibringen? Es wird unnatürliches oder falsches Verhalten gelernt und gefördert. Auch unterstelle ich, dass er in seinem späteren Leben jemals jede einzelne Hunderasse treffen wird. Alleine der FCI hat über 350 einzelne Rassen gelistet. Dazu kommen noch viele viele andere. Von den unzähligen Hybriden gar nicht zu reden. 

Zu wem? Zum Frauchen oder zum Herrchen, die zuschauen wie ihr Liebling gemobbt, gejagt und überrannt wird? Die ihren Liebling nicht beschützen können obwohl er das von ihnen erwartet? Andererseits können Sie, sollte Ihr Hund zu den Mobbern gehören, auch nicht erwarten dass ihr Hund gerne zu Ihnen kommt wenn er doch gerade dabei ist sich selbst zu belohnen. Er wird Ihnen den Stinkefinger zeigen weil er merkt dass Sie sich nicht durchsetzen können.

Diese Meinung ist zumindest in einer Welpengruppe für das Finden von Selbstvertrauen nicht zutreffend.

Wie oft soll er denn etwas versuchen um seinen Irrtum zu bemerken bevor er an irgendein Ziel kommt. Ein zeitraubendes und sehr demotivierendes Lernen was vom Welpen oft mit alternativen Handlungen abgebrochen wird. Nur der Erfolg motiviert unseren Hund. Nicht der Misserfolg.

Machen wir uns nichts vor. Alltagssituationen lernt er in der Zeit in der er sich nicht auf dem Hundeplatz aufhält kennen. Auch wenn die nette Hilfsausbilderin noch so oft den Regenschirm aufspannt und mit Flatterbändern durch die Manege springt. Es hilft nichts, Umweltreize sehen anders aus.

Er kann seine geistigen und körperlichen Fähigkeiten stärken

In dieser einen Stunde wird unser Welpe, nicht nur durch die Anwesenheit der anderen 10 bis 15 Welpen, mindestens 15 Herrchen oder Frauchen die evtl. sogar noch in Begleitung von Kind und Partner herumstehen und den sorgsam ausgelegten Lernutensilien aus Hartplastik dermaßen mit Reizen überflutet das ein Lernen nicht möglich sein wird. Dazu fehlt die zum Lernen notwendige Konzentration. Von einem Festigen des evtl. doch Gelernten gar nicht zu sprechen.

Gehen wir davon aus, dass der viel zitierte Familienhund keine eigene Hunderasse darstellt und jeder einzelne davon, ob groß, klein, leicht oder schwer, zu einem bestimmten Zweck gezüchtet wurde. So gibt es Rassen die gerne unter der Erde arbeiten, welche die Wild aufscheuchen und apportieren, andere haben sich auf Nasenarbeit spezialisiert, die einen möchten gerne Hetzen und Packen und die anderen sehen ihre Berufung im Treiben, Hüten oder Bewachen. Wir sollten uns daher, wenn möglich schon vor der Anschaffung, bewusst sein, dass unsere Welpen allesamt einmal zu Spezialisten heranwachsen werden. Davon sind Mischlinge übrigens nicht ausgenommen weil Eltern ihre Erbanlagen an die Sprösslinge weitergeben. Es dürfte sich eigentlich niemand wundern, wenn Hunde diese vorgegebenen Anlagen auch beim Spiel einsetzen und trainieren. Man müsste doch fragen „Wo und wie findet ein Lernen statt wenn ein 6 Monate alter Jack Russel Terrier und ein 10 Wochen junger Akita Inu zusammentreffen? Und für wen ist es positiv und wo findet hier eine Förderung statt.

 

Facit:

In der Lebensphase in der sich ein Welpe befindet sollte er lernen dürfen sich auf sein näheres Umfeld und auf seine Familie zu sozialisieren. Bei emotionalen Überforderungen wie Stress oder Angst findet kein Lernen und keine hinreichende geistige Verarbeitung statt. Ich möchte beileibe nicht alle Schulen über einen Kamm scheren. Es gibt bestimmt viele Hundeschulen mit gut aufgebauten Welpengruppen. Aber so richtig Sinn macht es meiner Meinung nach nicht.